SCRUM in der Geräte-/Systementwicklung

Nahezu jeder, der sich mit Entwicklung befasst, ist schon mit dem populären Thema „agile Entwicklung“ und insbesondere mit „SCRUM“ konfrontiert worden. SCRUM als Methode für die Organisation komplexer Projekte in der Geräte-/Systementwicklung, findet mehr und mehr Akzeptanz. Da die Mehrzahl aller klassisch koordinierten Entwicklungsprojekte ihre Ziele in Zeit und Budget nicht treffen ist es notwendig, die herkömmlichen Methoden zu überdenken – es bietet sich SCRUM in der Geräte-/Systementwicklung an.

SCRUM für die schnelle und effiziente Produktentwicklung

Schnelle und effiziente Entwicklungsprozesse sind entscheidend im Wettbewerb. Die Komplexität der Kunden- und Marktanforderungen steigt stetig, während Entwicklungszeiten  (time to market) deutlich kürzer werden müssen. Gleichzeitig stellen die Notwendigkeit eines genau abgestimmten  Zusammenspiels von Vertrieb, Produktmanagement, Fertigung und Einkauf auf der einen Seite und Kunden sowie Lieferanten auf der anderen Seite, Unternehmen vor wachsende Herausforderungen. Wo bisherige Methoden an ihre Grenzen stoßen,  bieten agile Vorgehensweisen die Chance ganz neuen Handlungsspielraum zu schaffen.

Zudem fällt vielen Unternehmen das Zusammenwachsen und die schlanke Verzahnung von Mechanik, Elektro und Software schwer, sei es in einem sequentiellen oder in einem teilweise parallelen Prozess. Darüber hinaus verlagert sich die Innovation und die Entwicklungslast in der Systementwicklung mehr und mehr in Richtung Software, dem ursprünglichen und heute noch überwiegenden Anwendungsfeld von SCRUM.

Wie funktioniert SCRUM und wie ist die Methode aufgebaut?

SCRUM ist eine Methode und besteht aus wenigen Regeln. Diese Regeln definieren fünf Aktivitäten (sog. Events), drei Leistungswerke (sog. Artefakte) und drei Rollen, die den Kern von SCRUM ausmachen. Hintergrund und Ansatz ist die Annahme, dass viele Projekte zu komplex sind, um sie von Anfang bis Ende exakt durchzuplanen. Daher handelt es sich um einen erfahrungsbasierten, inkrementellen und iterativen Prozess. Sowohl die Lösungsansätze als auch die Anforderungen sind zu Beginn nur teilweise klar. Anhand von Zwischenergebnissen und entlang des Entwicklungsverlaufes werden Anforderungen und Lösungstechniken iterativ entwickelt.

SCRUM: Methode und Framework

Der langfristige Plan (Product Backlog) wird kontinuierlich verfeinert. Dabei wird der Planungsprozess immer nur für den nächsten Zyklus (ein Sprint dauert 2-4 Wochen) erstellt und der Detailplan (Sprint Backlog) ist immer auf den wichtigsten nächsten Schritt fokussiert. Der Aufwand der Planung und Steuerung wird dabei auf ein Minimum reduziert.

Selbststeuernde Teams und regelmäßiges Feedback

Durch häufiges und frühes Feedback in den sich selbststeuernden Teams, wird die Interaktion mit den Kunden in der Produktentwicklung verbessert. Produkte werden für und nun auch mit dem Kunden entwickelt. Durch die Eigenverantwortung des Entwicklungsteams und eine häufige Überprüfung der Ziele, werden nur die relevanten Funktionen des Produktes entwickelt.

Die Verbesserung basiert dabei auf folgenden drei Elementen:

  • Transparenz: Fortschritt und Hemmnisse werden regelmäßig für alle sichtbar dargestellt.
  • Überprüfung: In kurzen und regelmäßigen Abständen werden Ergebnisse (Anforderungen, Produktfunktionalitäten, Strukturergebnisse Produktarchitektur, einzelne Module) geliefert und sowohl das Produkt, die Plattform als auch das Vorgehen überprüft.
  • Anpassung: Anforderungen an das Produkt und an das Vorgehen werden erneut angepasst und festgelegt.

Detaillierte Lasten- und Pflichtenhefte sind Fehlanzeige. Wichtig ist jedoch ein Wechsel von der Technik- und Produktsicht auf die Funktions- und Anwendersicht – die Anforderungen des Kunden sind im Fokus. Die maximale Transparenz für alle Beteiligten ist ein Grundsatz, der durch häufigen Informationsaustausch, einfache Visualisierungen und zielfokussierte Einstellung aller Beteiligten erreicht wird. Klar definierte Verantwortung, hohe Verbindlichkeit und Selbstorganisation begründen den Erfolg der agilen Entwicklung.

Die Eigenschaften werden im sogenannten „Product Backlog“ in Form von Merkmalen und Ausprägungen aus Anwendersicht (User Stories) beschrieben. Änderungen und Korrekturen sind bei SCRUM erwünscht. Ziel ist es, in einem Prozess der ständigen Verbesserung individuelle Kundenwünsche in kurzen Rückkopplungs-Schleifen zu erfüllen. Ständige Änderungen und Korrekturen sind mit zunehmendem Entwicklungs- und Erkenntnisstand explizit erwünscht, um so früh wie möglich Fehlentwicklungen zu vermeiden und Anpassungen in Zielen und / oder der Entwicklung durchzusetzen.

Ziele werden dabei weniger als Anforderungen, sondern mehr als gewünschtes Ergebnis beschrieben, aber eben aus Sicht des Kunden. Hiermit ist kein überfrachteter Requirements-Katalog gemeint, zumal sich die Dinge in der Entwicklung ohnehin ständig ändern. Die Anforderungen werden nach Prioritäten geclustert und als kleine Arbeitspakete – den sogenannten Sprints – schrittweise abgearbeitet. Das Team organisiert hierbei Zeit und Methode. Nach jedem Sprint werden die Ergebnisse reflektiert und überprüft.

Mehr Eigenverantwortung ist gefordert

Die Grundprinzipien der agilen Entwicklung basieren auf dem Lean Management-Prinzip. Zudem handelt es sich um eine ausgeprägt teamorientierte Entwicklungsmethode und verträgt sich nicht mit Hierarchiedenken. Durch ein schrittweises Vorgehen mit der Lieferung von Teilumfängen werden Hemmnisse und Änderungen im Fortschritt sehr schnell sichtbar. Hierfür sind kurze fast tägliche Meetings sinnvoll, um jeden über den Stand der Arbeiten zu informieren und das weitere Vorgehen abzustimmen. Optimalerweise sitzen die Teammitglieder in wichtigen Projekten räumlich zusammen. Die Erfahrungen zeigen, dass die Teams mehr Eigenverantwortung an den Tag legen und gemeinsam die Ergebnisse getragen werden. Hierdurch entsteht eine wachsende Gruppendynamik im Team, welches sich eigenverantwortlich in der Art und Weise der Zusammenarbeit selbst organisiert. Damit dies gelingt, muss in der Teamzusammensetzung auf geeignete Persönlichkeiten geachtet werden, die mit dem Mehr an Verantwortung vertrauensvoll umgehen können. Eine Mischung aus Fachexperten und kommunikationsstarken Treibern ist der halbe Schlüssel zum Erfolg.

Fazit und unsere Erfahrungen mit der agilen  Entwicklungsmethode

Wir sehen im Einsatz der agilen Methoden in der Entwicklung komplexer Produkte mit Hardware- und Software-Komponenten die Chance, die Effizienz der Entwicklung deutlich zu steigern. Der klassische Entwicklungsprozess kann dabei sehr wohl fortbestehen und mit SCRUM Methoden sehr gut kombiniert werden.

Wenn Sie sich für SCRUM in der Geräte-/Systementwicklung interessieren, nehmen Sie Kontakt zu uns auf, wir freuen uns Sie unterstützen zu können.

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