Ein Vergleich von klassischem Projektmanagement und agilen Methoden im Projektmanagement

Jeder der schon einmal Projekte geplant oder verantwortet hat kennt das Dilemma: Es wird viel Zeit in Planung und Abschätzung von Ressourcen, Zeiträumen und Aufwänden gesteckt. Dennoch ist es so, dass entweder die Planung mehrfach wiederholt wird, da sich immer wieder Dinge ändern oder die Zeiten oder das Budget einfach nicht haltbar sind.

Eine Gegenüberstellung von über 10000 Projekten im Zeitraum von 2011-2015, welche entweder nach agilen oder klassischen Projektmanagement-Methoden durchgeführt wurden zeigt, dass die Erfolgsquote beim Einsatz von agilen Methoden im Projektmanagement belegbar höher ist.

Klassisches Projektmanagement

Klassisches Projektmanagement basiert auf einem standardisierten Vorgehensmodell (Wasserfall, V-Modell), welches eine lineare und durch Meilensteine abgetrennte Abfolge von Projektphasen vorsieht. Ergebnisse, Kosten, Termine und Ressourcen werden am Anfang eines Projektes im Projektstrukturplan festgelegt. Änderungen in der Projektabwicklung werden möglichst vermieden, da sie aufwändige und meist kostspielige Projektanpassungen nach sich ziehen.

Im klassischen Projektmanagement wird davon ausgegangen, dass man am Anfang eines Projektes einen definierten Endzustand beschreiben (Anforderungen, Zeitplan, Ressourcenbedarf etc.) und den Prozess detailliert planen kann. Da Unplanbarkeiten in jedem Projektabschnitt auftreten werden, wird in der Regel auf das ursprünglich geplante Zeitkontingent ein Pufferwert addiert. Damit existiert von Anfang an eine Unschärfe in der Planung, die gewöhnlich im Projektverlauf zunimmt. Durch einen höheren Ressourceneinsatz sollen entstandene Abweichungen später ausgeglichen werden. Nicht ohne negative Auswirkung auf Budget und Zufriedenheit der Projektbeteiligten.

Agiles Projektmanagement

Der iterativ-inkrementelle Ansatz agiler Methoden basiert auf der Erwartung, nach jeder Arbeitsphase (sog. Sprints) ein potentiell nutzbares Produktinkrement (ein Teilprodukt, Prototyp, 3D-Modell, Zeichnungen) auszuliefern. Statt von Anfang bis Ende alle Arbeitsschritte durchzuplanen, wird eine Produktvision erstellt und ein priorisiertes Backlog (Anforderungskatalog) mit allen bekannten Komponenten erstellt, welches die Produktvision kleinteilig beschreibt und jederzeit angepasst werden kann. Durch das frühzeitige Einbinden wichtiger Stakeholder, kurzer Planungs- und Umsetzungsphasen sowie ein kontinuierliches Neupriorisieren der zu erledigenden Aufgaben, werden Abweichungen schneller erkannt und mögliche Fehlentwicklungen frühzeitig, und dadurch auch kostengünstiger, korrigiert.

Agiles Projektmanagement basiert auf einer iterativ-inkrementellen Vorgehensweise. Nach jeder Iteration wird ein potentiell lieferfähiges Produktinkrement fertiggestellt und dem Kunden (oder dem Kundenvertreter) vorgestellt. Der Erfolg agiler Methoden basiert u.a. auf hervorragender Teamarbeit, kurzen Feedbackschleifen durch den Kunden oder Kundenvertreter, hoher Reaktionsfähigkeit bei Änderungswünschen und kontinuierlicher Prozessverbesserung. Mitarbeiter tragen eine hohe Eigenverantwortung.

Zusammenfassung

Sowohl klassische als auch agile Ansätze haben ihre spezifischen Vorzüge. Sind die Anforderungen an ein Projekt geprägt von häufigen Änderungen, kurzen Planungshorizonten und einem hohen Forschungsanteil, überwiegen die Vorteile agiler Methoden deutlich. Sind Anforderungen, Ressourcen und Zeiten hingegen bekannt und ausreichend definiert, können auch klassische Methoden des Projektmanagements zum gewünschten Ergebnis führen. Allerdings sollte die Haltung der involvierten Menschen zum Setting passen. Wer vorher nur Erfahrung in klassischen Projekten gesammelt hat, braucht oft etwas Zeit, um sich an die neuen Bedingungen eines agilen Projektes zu gewöhnen. Umgekehrt fällt es Menschen mit einem agilen Background oft nicht leicht, wieder in klassischen Projekten nach Command & Control zu arbeiten.

 

 

Ralf Schmidt

  • Agile Coach (The Third Art)
  • Certified Professional Scrum Master (CPSM)
  • Certified Agile Requirements Specialist (CARS)

 

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